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Das Praktikum - Sinn und Zweck

30 Juni 2011 21:38 von MAWA

Das Praktikum - Sinn und ZweckDas Praktikum - Sinn und Zweck

Mit "Praktikum" wird die Zeit bezeichnet, die ein Mensch zur Vertiefung bereits erworbener Kenntnisse, oder zur Erlernung neuer Fähigkeiten in Theorie und Praxis, durch Mitarbeit in einem Unternehmen, verbringt.
Praktikanten sind laut deutscher Rechtsprechung streng genommen keine Arbeitnehmer, abweichend davon kann ein Praktikum aber einen Dienstvertrag einschließen, der dann als Arbeitsvertrag zu bezeichnen ist. Oft werden Praktika nur sehr gering oder gar nicht vergütet und dauern zwischen einem und drei Monate, zumeist werden sie über den Sommer angeboten, da sich viele Praktikanten noch in der Schul- oder Hochschulausbildung befinden.
Es kommt jedoch leider auch vor, dass ein Praktikant ausschließlich zu Arbeiten herangezogen wird, die sonst keiner in der Firma verrichten will, vor allem in der Zeit, in der viele Mitarbeiter auf Urlaub sind. Das bedeutet, dass die "schwarzen Schafe" unter den Unternehmern Praktikanten anwerben, um billige Arbeitskräfte "einspannen" zu können, ohne dass die Person viel lernt außer Kaffe zu kochen und Unterlagen zu kopieren.
Doch das ist natürlich nicht die Regel – im Idealfall lernt der Praktikant viel über den Berufsalltag des Jobs, den er künftig gerne ausüben möchte. Er arbeitet dabei häufig in mehreren Abteilungen des Betriebs, um einen Überblick über die Gesamtheit der Abläufe in dem Unternehmen zu erhalten und wird dabei von verschiedensten Mitarbeitern "unter die Fittiche genommen".
Praktika enden nur in seltenen Fällen mit der Zusage einer Einstellung nach der absolvierten Zeit oder nach Beendigung der Schul- oder Hochschulausbildung.

Praktika zum Sammeln von Praxiserfahrung im künftigen Beruf, meist im Rahmen einer theoretischen Ausbildung, haben sich mittlerweile weltweit etabliert. In vielen geistes- und sozialwissenschaftlichen Bereichen ist ein Einstieg in den gewünschten Beruf ohne vorherige Absolvierung eines (unbezahlten) Praktikums kaum mehr möglich.
Weiter dienen Praktika auch zur Orientierung: Weiß eine Person noch nicht genau, welcher Teilbereich seines künftigen Jobs, oder ob dieser Beruf überhaupt, für sie geeignet ist, vermittelt die Praxis in einem Unternehmen die Alltagsrealität und damit die nötige Sicherheit – man kann entscheiden, welche Abteilung von größtem Interesse ist oder aber auch eine Korrektur des Berufswunsches vornehmen.
Außer den Betriebspraktika in Unternehmen kann man auch Kurse in Hochschulen absolvieren, die aus mehreren Praxistagen bestehen können (wenig empfehlenswert, da ein einziger Tag in einem Beruf nicht ausreicht, um genügend Einblick zu erhalten).

Wie bereits erwähnt werden Praktika nur selten vergütet, da es sich um kein reguläres Dienstverhältnis handelt – der Interessent muss keine Vorkenntnisse mitbringen und ist zu keiner Leistung verpflichtet. Ausgenutzt wird von vielen Betrieben dabei der Wille oder auch die Pflicht der Interessierten, ein Praktikum zu absolvieren, die aus dieser Motivation heraus auch auf eine Entlohnung verzichten. Eine Vergütung der Arbeitszeit im Zuge des Praktikums beschreibt so gesehen also nur die Anerkennung des Interesses der Person an dem Unternehmen. Sie kann als Honorar, als "normale" Vergütung oder als Aufwandsentschädigung ausbezahlt werden. Am häufigsten kommt die Zahlung eines dem Monatsentgelt für Auszubildende entsprechenden Betrags in Wirtschaftsunternehmen wie einer Werbe- oder SEM Agentur vor.
Praktika sind sozialversicherungsbefreit, wenn sie im Rahmen einer Studien- oder Prüfungsordnung abgeleistet werden, oder der Praktikant an einer Hochschule eingeschrieben ist. Ein Praktikum ist jedoch sozialversicherungspflichtig, wenn oben genannte Umstände nicht zutreffen und das monatliche Entgelt die Geringfügigkeitsgrenze übersteigt.

Neben dem Praktikum während der Schul- oder Hochschulzeit, gibt es noch Auslandspraktika, die nicht nur der Berufsorientierung dienen, sondern auch die Möglichkeit bieten sich eine interkulturelle Kompetenz anzueignen, bzw. gegebenenfalls seine soziale Kompetenz zu stärken, und die fremde Sprache zu erlernen. Es gibt zahlreiche Organisationen, die Auslandspraktika vermitteln, also neben dem Praktikumsunternehmen auch die Gastfamilie bereitstellen, die Unterkunft besorgen und auch alle bürokratischen Fragen beantworten. Im Normalfall ist diese Betreuung kostenpflichtig. Die Praktika im Ausland können bezahlt oder unbezahlt sein, häufig entscheidet darüber nicht nur die Wahl des Betriebs, sondern auch der Umstand, für welches Land man sich entscheidet – beispielsweise werden in Kanada nahezu alle Praktikanten bezahlt, in Südafrika hingegen sehr selten.

Zusätzlich zu den genannten existieren auch noch die Praktika während der Arbeitssuche. Arbeitslose werden unter bestimmten Umständen von der Bundesagentur für Arbeit dazu angehalten, mehrere Praktika zu absolvieren, um ihre Chancen auf den beruflichen Wiedereinstieg zu erhöhen oder die Weiterbildung in einem Job zu fördern. Doch gerade diese Praktika werden von Unternehmen häufig angeboten, um kurzfristige personelle Engpässe kostensparend zu überbrücken. Arbeitgeber können sogar die Zeit einer Praktikumsstelle verlängern lassen, um sich in dieser Zeit in aller Ruhe nach "qualifizierten Mitarbeitern für eine langfristige Zusammenarbeit" umzusehen. Sucht eine Firma immer wieder um Praktikanten an, erarbeitet sie sich damit einen klaren Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Unternehmen, die reguläre Arbeitskräfte einsetzen. Lehnt ein Arbeitssuchender ein solches verpflichtendes Praktikum ab, droht ihm häufig die Streichung des Arbeitslosengeldes und somit Kontopfändung.

Zusammengefasst hier einige Punkte, welche die Entscheidung für ein Praktikum erleichtern sollen:
Ist die Wahl auf ein bestimmtes Unternehmen gefallen, lohnt es sich, Ex-Praktikanten
dieser Firma ausfindig zu machen und diese zur Qualität des Jobs zu befragen.
Arbeit und Ausbildung müssen in einem vernünftigen Verhältnis stehen - möchte der Boss
ein Praktikum "unendlich" verlängern, liegt der Verdacht nahe, dass man als billige
Arbeitskraft missbraucht wird.
Ein guter Arbeitgeber wird von sich aus ein Praktikum vergüten und auch einen Vertrag mit
den wichtigsten Formalitäten abschließen wollen.
Bei einer zu großen Anzahl an Praktikanten in einem Betrieb leidet die Qualität der
Betreuung und Wissensvermittlung.
Auch ein Praktikant kann zum Betriebsrat gehen, wenn er sich ausgenutzt fühlt!

Letztendlich kann gesagt werden, dass ein Praktikum eine lohnende Investition in die berufliche Zukunft sein kann, wenn man dieses bei einem seriösen Unternehmen absolviert, da es einem nicht nur bei der Orientierung hilft, sondern auch die nötige Praxis für den Wunschberuf vermittelt.

Bildquelle: Konstantin Gastmann / pixelio.de
www.pixelio.de

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